Deutsch gesprochen
Stell dir mal vor, es käme
zur rechten Machterschleichung,
und Höcke wär der "Führer"
im neuen "Vierten Reich".
Dann wäre es doch günstig,
dich schleunigst anzupassen
an diese Zeitenwende,
auch darin, was du sprichst.
Denn deine Wortwahl zeigt:
Du bist ein echter Deutscher,
als Eiche fest verwurzelt
im heimatlichen Wald.
Zur Vorsicht schreib ich nicht:
"Dann wär 's doch opportun,
Opportunist zu werden."
Das wär'n zu viele Worte
aus einer Römersprache,
noch nicht einmal germanisch,
wie "smart"und "clever" aus
dem Angel-Sachsen-Land,
mit uns ja blutsverwandt.
Was ginge, wär' "Anpassler".
Und auch "Gesinnungswechsler"
wär' deutsch und damit gut.
Du könntest volkstreu, völkisch -
nein, nein, nicht "national"-
geistreich die Sprache wendend,
schlicht Worte neu erfinden.
Kavallerie, das wär' dann
die Reit-Wehr, hoch zu Ross,
Artillerie hieß Schieß-Wehr,
Infanterie die Fuß-Wehr.
Die Paperbacks, die wären
dann Edeltaschenbücher,
und Bands, die covern, würden
als Liedergruppen deckeln.
Und fremde Namen würden
dann einfach eingedeutscht,
wie 's auch in anderen Ländern
ja durchaus üblich ist.
Es heißt der Michelangelo
in Spanien ja Miguel Angel.
Und die Wallonen sagen
Aix-la-Chapelle für Aachen.
Monaco hieß dann München
und Casanova Neuhaus.
Auch Bonaparte, der könnte
hier schlichtweg Gutteil heißen.
Liz Taylor hätt' bei uns
den Namen Elsbeth Schneider,
und Tina Turner würde
hier zu Martina Drechsler.
Aus Newman würde Neumann
und Redford hiesse Rotfurt;
und jeder King dann König,
James Bond hieß Jakob Band.
Aus Müller würde Müller,
aus jedem Smith ein Schmitz.
Die Jacksons und die Johnsons,
die hiessen alle Jans(s)en.
Aus White würd' Weiss,
aus Black würd' Schwarz,
und Robin Hood, der hiesse
verdeutscht dann Robert Hut.
Es würde Donald Trump,
der "Quasi-König" in
Neuindiens Einheitsstaaten,
Trompete oder Trumpf genannt.
Sei klug und dreh rechtzeitig
dein Fähnchen nach dem Wind!
Denn nach der "Machtergreifung"
wird gründlich und geschwind
die Geistespflege - nicht Kultur -
dann ganz bereinigt von
dem Ungeist fremder Völker -
selbst dem der alten Griechen.
In Schauspielhäusern siehst du
nun Lust-und Trauerspiele,
und nicht mehr in Theatern
Komödien und Tragödien.
Auf Bühnen siehst du nur noch
das heldenhafte Sterben
der Nibelungenrecken
und Schillers "Räuber", Goethes "Faust".
Das Fernsehn zeigt nicht Comedy,
nicht Thriller mit viel Action,
auch keine Science Fictions,
dafür Grimms Märchen, neu verfilmt
nein, nicht in Hollywood,
bei uns in Babelsberg,
ganz nahe an Berlin,
Großdeutschlands Reichshauptstadt.
Im Rundfunk hörst du nur noch
Gesangsgut und Folklore
aus Bayern, Hessen, Schwaben,
nicht Songs und Hits aus Charts.
So sähe sie wohl aus,
die Re-Germanisierung.
(Verzeihe mir, Graf Otto
von Braunstein-Hartenfels,
dies römisch-deutsche Mischwort!
Ein unbesonnener Rückfall!
Ich werde ab sofort
von "Rückverdeutschung" sprechen.)
Ich hoffe, was ich sage,
bleibt nur ein böser Traum,
der niemals wirklich wird
in unserem schönen Land.
Ich hoffe, es kommt nicht so,
wie ich es hier vorraussag,
und niemand wird mehr "Führer"-
mit unbeschränkter Macht -
In einem "Vierten Reich",
wo jeder mit "Heil Höcke" grüßt,
von Flensburg bis nach Basel,
natürlich auch in Wien;
und stets dem Motto folgt:
"Mach Deutschland wieder groß",
so mächtig wie zur Zeit
der Salier und Staufer!
Ich glaub, die Mehrheit hier,
die hat genug Verstand,
die ist nicht dumm genug,
dem Wahnsinn Macht zu geben.
Ich glaub', mein Vaterland,
wo ich geboren bin,
mein ganzes Leben lebte,
und wohl auch sterben werde,
will doch nicht blind gehorchen
dem, was befiehlt der Eine,
der ganz all-ein beherrscht
die einzige Partei
In einem Staat, wo jeder -
gesichtslos, gleichgeschaltet -
zum Einheitsbrei, zur Masse wird,
dem Einen ganz gefügig.
Ich hoff', die meisten haben
gelernt aus der Geschichte,
was niemals mehr geschehen darf
In unserem deutschen Land.
Publiziert am: Samstag, 14. Februar 2026 (32 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera
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