Beim Tod des Säufers
"Schnaps, das war sein letztes Wort.
Dann trugen ihn die Englein fort."
(Willi Millowitsch)
Na ja, vielleicht auch Teuflein
zum Oberteufel Feuerstein.
Die Hölle und der Himmel,
die stritten sich darum,
wohin er denn gehöre -
mit Worten, gar nicht dumm.
Die Teufel, laut und lärmend,
wie eine wilde Meute,
die schrien mit starker Stimme:
"Der ist doch unsere Beute..
Ein Komasäufer will
doch stets besoffen sein.
Was soll denn der bei euch?
Ihr trinkt doch keinen Wein,
auch keinen Schnaps, kein Bier.
Ihr schenkt doch gar nichts ein,
bleibt immer trocken, nüchtern -
so edel und so fein.
Was will denn dieser Lustmolch
mit seinem heißen Blut
bei tugendhaften Engeln -
so friedvoll und so gut?
Er passt zu uns, zur Hölle,
zu unserer feur'gen Glut.
Doch nicht zu euch im Himmel,
wo ihr nie Böses tut,
Wo ihr nur Harfe spielt,
vom ewigen Licht beschienen,
stets nur darauf bedacht,
dem hohen Herrn zu dienen.
Wir in der Hölle feiern
fast täglich rauschhaft Feste.
Wir bieten etwas an
für unsere Dauergäste.
Der Epstein plant die Orgien.
Der Mann ist ein Genie.
Die Parties, die sind toll.
Öd' wird es darauf nie.
Den Striptease und viel mehr
gibt es doch nicht im Himmel.
Bei euch gibt 's keinen Sex.
Und niemand hat nen Pimmel.
Drum lasst den Mann doch uns,
zu denen er gut passt.
Er hat so oft gehurt,
verschwenderisch geprasst.
Er will doch nicht bei euch
im ew'gen Frieden sein.
Das wäre für ihn Tod.
Das wär' für ihn nur Pein."
Der Himmel, der sah ein.
"Die Hölle hat ja Recht.
Der eignet sich noch nicht
zum heiligen Gottesknecht.
So wie als Mensch soll er
auch jetzt als Teufel leben,
soll keine Ruhe finden,
nicht sanft auf Wolken schweben,
soll immer noch erstreben,
was nur den Frieden stört,
von schwerem Leid bedrückt,
von starker Lust betört.
Er soll die nächste Zeit
im tollen Trubel treiben,
und schwelgend im Genuss
bei euch im Feuer bleiben,
im Dauerrausch nur auf
der Überholspur leben.
Das wird ihm irgendwann
nicht mehr Erfüllung geben.
Ihm wird im Lauf der Zeit
Genuss zum Überdruss,
ist nicht mehr, was er will,
ist nur noch läst'ges Muss.
Von ihr zerrieben sucht er
Erlösung aus der Zeit.
Dann ist er reif für uns,
reif für die Ewigkeit.
Zu diesem Gedsicht angeregt hat mich der Song "Viele Grüße aus der Hölle" von Udo Jürgens.
Publiziert am: Donnerstag, 12. Februar 2026 (32 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera
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