Fertig sein
Die Kunst des Lebens, die besteht
darin, Geschirr zu spülen,
um das Geschirr zu spülen,
wenn es zu spülen ist,
nicht das Geschirr zu spülen,
damit es wieder sauber ist
Lass' fertig werden das,
was angekommen ist
am Ende seines Weges
als eine reife Frucht!
Doch mach nicht übereilt
das fertig, was noch Zeit braucht,
zu wachsen und zu reifen
zum ganzen, vollen Sein.
"Was fertig ist, ist tot".
(Das sagte mal Picasso.)
Mach nicht verfrüht das tot,
was leben will und soll!
Gib es doch nicht dem Tod!
Lass es noch weiter leben!
Lass es am Leben bleiben!
Lass es im Leben bleiben!
Und manches wird nicht fertig,
Und manches wird nie fertig.
Lass es unfertig bleiben!
Vielleicht will es nicht sterben.
Was fertig ist, gleicht Wasser
zu hartem Eis erstarrt
das nicht mehr fließt, wie Fels
an seinem Ort verharrt.
Lass Wasser weiter fließen
im Lebensweg der Zeit,
vom Bach zum Fluss anschwellend,
zum Strom, nun mächtig, breit!
Lass erst im Meer es enden,
in der Unendlichkeit!
Lass es erst fertig werden
in der Vollkommenheit!
Dort nicht mehr sich bewegend
auf etwas Anderes hin,
doch in sich selbst bewegt,
nun findend Ziel und Sinn.
und:
Lass' etwas fertig sein,
nicht offen, ungeschlossen,
was fertig werden kann!
Was noch nicht fertig ist,
das zieht und treibt nach vorne
im wild bewegten Strömen,
das nicht zur Ruhe kommt,
das keinen Frieden findet.
Lass angekommen sein,
was weiter gehen könnte,
nicht weiter gehen muss,
um ganz erfüllt zu sein!
Was fertig ist, das stirbt.
Was fertig ist, ist tot.
Lass alles jetzt schon sterben,
was jetzt schon sterben kann!
Was fertig werden kann.
das lass auch fertig sein!
Lass es nicht ungeschlossen!
Lass es nicht weiter offen!
Befrei es doch für immer
vom Drang und Zwang der Zukunft!
Schließ es doch ab und schenk' ihm
es sterben lassend Frieden!
Publiziert am: Montag, 09. Februar 2026 (21 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera
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