Nikolaus von Kues
Egon Friedell schreibt in seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit" über Nikolaus von Kues:
Auf der Rückfahrt von Konstantinopel, wo er sich als päpstlicher Gesandter aufgehalten hatte, 1438,
ging ihm das Grundprinzip seiner Philosophie auf: die coincidentia oppositorum.
Alles Existierende ist, lebt und wirkt dadurch, dass es der Kreuzungspunkt zweier Gegensätze ist.
Eine solche coincidentia oppositorum ist Gott,
der das absolute Maximum darstellt, denn er ist die allumfassende Unendlichkeit,
und zugleich das absolute Minimum, denn er ist in jedem, auch dem kleinsten Ding enthalten.
Eine coincidentia oppositorum ist die Welt,
die in den Einzelwesen eine unermessliche Vielheit, als Ganzes aber eine Einheit bildet.
Eine coincidentia oppositorum ist jedes Individuum,
denn es ist nicht bloss im All enthalten, sondern auch das ganze All in ihm:
In omnibus partibus relucet totum - (in allen Teilen strahlt das Ganze wider.)
Eine coincidentia oppositorum ist der Mensch,
der als ein Mikrokosmos, ein parvus mundus (eine kleine Welt),
der alle erdenklichen Gegensätze.
Sterblichkeit und Unsterblichkeit, Körper und Seele, Tierheit und Gottheit
in sich vereinigt und dazu noch von dieser Verknüpfung weiß.
Eine coincidentia oppositorum ist schließlich der Cusaner selbst,
der Religion und Naturwissenschaft, Patristik und Mystik miteinander versöhnt hat,
ein bedächtiger Bewahrer des alten und feuriger Verkünder des Neuen,
Weltmann und Gottsucher, Ketzer und Kardinal,
der letzte Scholastiker und der erste Moderne.
Publiziert am: Mittwoch, 31. Dezember 2025 (10 mal gelesen)
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