Namen des Namenlosen

 

 

Im Judentum ist Gottes Name

JHWH, das Tetragramm 

ein Name, oft geschrieben,

jedoch fast nie gesprochen - 

im Jahr nur einmal, nur von einem

und nur an einem Ort:

am Yom Kippur, Versöhnungstag,

dem höchsten Fest im Jahr,

allein vom Hohenpriester

im Allerheiligsten des Tempels.

Den Tempel gibt es ja nicht mehr,

auch keinen Hohenpriester.

Und niemand kann mehr sagen:

Wie wird JHWH gesprochen?

 

 

Wird aus der Bibel vorgelesen

wird es ersetzt durch andere Worte,

durch Adonai, der Herr,

und durch haSchem, der Name.

 

In der Tenach steht JHWH

fast siebentausend Mal.

Doch nur ein einziges Mal

wird es auch ausgedeutet,

von JWHW selber,

als er Moshe beruft.

 

 

Gott weigert sich bekanntlich als der Dornbusch, der brennt, doch nicht verbrennt,

Moses seinen Namen zu nennen.

Er stellt sich über andere Namen vor, als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Das ist kein Name.

Auf Drängen des Moses nennt er dann doch einen Namen:

"Ich bin, der ich bin."  - ein Name, der kein Name ist,

der nur sagt, dass er ist,

der nicht sagt, was er ist.

Warum tut er das? weil er keinen Namen hat,

er keinen haben kann.

Gottes Name ist "der Namenlose."

Gott kann keinen Namen haben, der etwas bedeutet,

weil er alles ist, alles bedeutet.

 

Namen grenzen ab, sie grenzen aus.

Sie trennen ab, sie teilen ab, sie teilen auf.

Der Name unterscheidet uns von Anderen.

Sabine ist nicht Karoline.

Das Schwarze Meer ist nicht das Mittelmeer,

der Hohe Kasten nicht der Kahle Asten (beides Berge).

Wie kann denn Gott, der Unbegrenzte, Unteilbare, Untrennbare

dann einen Namen haben?

 

 

 

 

Doch im Islam hat Gott, Allah, ja 99 Namen,

die alle etwas bedeuten.

Warum? Auch das sind keine Namen,

sind Eigenschaften Gottes als die eine, ganze Wirklichkeit.

Sie trennen Gott nicht ab von Anderen, von Anderem.

Es gibt nur ihn, nichts neben ihm, nichts außer ihm.

Die Eigenschaften Gottes, sie durchdringen -  

(wenigstens im Sufismus, der islamischen Mystik) -

all-gegenwärtig, ausnahmslos -

die ganze wundervolle Schöpfung:

 

Allah ist immer rein,

ist rein sogar im Schwein.

Er ist sogar barmherzig

in kalten, harten Herzen.

Allah ist sogar gut

in dem, der Böses tut.

 

Es gibt noch einen hundertsten Namen Gottes.

Der ist nicht bekannt, ist nicht erkennbar.

Es wäre der Name dessen, der das Sein ist,

der einfach ist,

der alles ist, was ist. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Publiziert am: Sonntag, 29. Oktober 2023 (585 mal gelesen)
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