Glauben an mich, glauben an Gott



 

An einen Gott will ich nur glauben,

wenn dieser Gott auch glaubt an mich.

An Gott will ich nur glauben dann,

wenn Gott auch dann noch an mich glaubt,

wenn ich selbst nicht mehr glaub' an ihn,

wenn ich selbst nicht mehr glaub' an mich.


 

Weil ich an seinen Glauben glaube,

glaub', dass er immer an mich glaubt,

mehr als ich selber an mich glaube,

deshalb verlass ich mich darauf,

dass er auch dann mich nicht verlässt,

wenn ich ihn längst verlassen hab',

von allen mich verlassen fühl',

mich auf mich selbst nicht mehr verlasse.

 

Ich glaub', ich kann darauf vertrau'n,

dass er mir sogar noch vertraut,

wenn ich mir selber nicht mehr trau',

wenn ich mir selber nichts mehr zutrau',

weder auf ihn noch mich vertrau.

Weil ich an sein Vertrauen glaube,

deshalb kann ich auch mir vertrau' n,

auch ich mir selber etwas zutrau' n.


 

Ich diene deshalb Gott,

weil er auch mir dient.

Und wenn ich Gott dien',

dien' ich auch mir selbst.





 

Kommentar:

 

Durch die abendländische Geistesgeschichte zieht sich ein Miteinander und Gegeneinander von zwei Strömungen:

dass das Göttliche dem Menschlichen dienen soll, und dass der Mensch Gott dienen soll und muss;

der Gegensatz zwischen dem griechischen Prometheus, der den Göttern das Feuer raubt, um es den Menschen zu bringen,

und dem hebräischen Hiob, der sich dem Willen Gottes unterwirft bis hin zur Selbstaufgabe.

 

Mein Gedicht macht deutlich, dass es diesen Gegensatz nicht gibt.

 

 

Publiziert am: Samstag, 06. Februar 2016 (1128 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera

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