Mach jede Zeit zu deiner Zeit

 

 

 

Solange ich zwischen Zeit für mich und Zeit für Andere unterscheide, kann ich nicht aufhören, zu warten.

Ich werde dann darauf warten, dass endlich die Zeit für Andere aufhört und die Zeit für mich beginnt.

Ich kann nur aufhören, zu warten, wenn jede Zeit meine Zeit ist.


 

 

Vereng' dich nicht,

beschränk dich nicht

auf das, was du allein für dich ,

dich selbst tun willst und kannst!



Leb' doch nicht nur dein Leben!

Erweiter' es, schließ' ein,

was du tun sollst und musst

für Andere, nicht dich!


 

Mach jede Zeit zu deiner Zeit,

auch die, die du verbringst,

mit anderen für andere,

nicht du allein für dich!



Leb' liebevoll mit Anderen

das volle ganze Leben.

Ganz-herzig, rückhaltlos,

tu immer voll und ganz,


 

was es zu tuen gibt!

Leb so zu jeder Zeit!

Es gibt nicht Zeit für andere.

Es gibt nicht Zeit für dich!


 

Das Leben schenkt sich immer

in seiner reichen Fülle - 

nicht heute dir, nicht morgen mir

und übermorgen Dritten.


 

Es teilt die Zeit nicht ein,

in Zeit für den und den.

Es weiß ja: "Jede Zeit

ist eigene Zeit für mich."




Was dir das Leben gibt,

das gib' zurück dem Leben!

Das Leben gibt dem Leben.

Es gibt sich selbst sich selbst.



 

Wart' doch nicht darauf. dass

endlich zu Ende ist,

was du tun musst und sollst

für Andere, nicht dich.


 

Das Leben hat kein Ende.

Das Leben wird nicht fertig.

Das Leben ist ein Werden,

das niemals fertig wird.

 



 

 

Ein konkretes Beispiel, wie jemand jede Zeit zu seiner eigenen macht,

schildert ein Meister des Nicht-Wartens, der vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh

in seinem Buch "Das Wunder der Achtsamkeit".

 

Bei dem Besuch eines Freundes, Allen, wird deutlich, dass er zur Zeit durch seine Familie stark belastet ist: durch den hyperaktiven Sohn Joey, der leider antiautoritär erzogen wird - 

durch seine Frau Suey, die von ihm entlastet werden muss im Sich-Kümmern um die neugeborene Tochter Ana, die wie die meisten Babys recht anstrengend ist.

Den größten Teil der Zeit ist er mit den Bedürfnissen seiner Familie beschäftigt, es bleibt nur sehr wenig Zeit für seine eigenen Belange.

Doch Allen hat eine Lösung entdeckt: 

 

Schließlich sagte Allen: „Weißt du, ich glaube, ich habe eine Mög­lichkeit gefunden, wie ich jetzt viel mehr Zeit für mich haben kann. Früher habe ich meine Zeit ganz anders betrachtet: Sie schien mir aus lauter verschiedenen Abschnitten zu bestehen. Einen Teil hatte ich für Joey reserviert, einen anderen für Sue, dann gab es den, wenn ich mich mit ihr gemeinsam um Ana kümmerte, und schließlich noch den Anteil für die Hausarbeit. Die Zeit, die dann noch übrig blieb, gehörte mir. Da konnte ich lesen, schreiben, meine Forschungsarbeit betreiben und spazieren gehen. Neuerdings versuche ich, mir meine Zeit überhaupt nicht mehr in einzelne Abschnitte einzuteilen. Die Zeit mit Joey und Sue betrachte ich jetzt genauso als meine eigene Zeit. Wenn ich Joey bei den Hausaufgaben helfe, schaue ich, wie ich auch diese Zeit genau­so zu meiner eigenen machen kann. Ich gehe also mit ihm seine Haus­aufgaben durch, bin ganz bewusst mit ihm zusammen und entwickle so auch wirkliches Interesse an unseren gemeinsamen Aktivitäten. Die Zeit, die ich scheinbar nur ihm widme, wird dadurch plötzlich zu mei­ner eigenen Zeit. Genauso mache ich es jetzt auch mit der Zeit, die ich mit Sue verbringe. Und das Verblüffende daran ist, dass ich auf einmal unbegrenzt Zeit für mich selbst habe!"

 

 

 

Publiziert am: Montag, 09. Februar 2026 (32 mal gelesen)
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