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Vertiefendes zum Tod

 

Angst vor dem Sterben ist verständlich.

Tot-Werden kann bedrückend, schrecklich sein.

Angst vor dem Tod dagegen ist verdrehter Wahnsinn.

Denn Tot-Sein ist befreites Leben - herrlich.




Nahtod-Erfahrungen
 

Einen Hin-weis (leider keinen eindeutigen Be-weis), dass das Tot-Sein ein wunderbar reiches Leben ist, geben die Erfahrungen von Menschen, die quasi schon tot waren und dann ins Leben zurückgeholt worden sind, die sogenannten Nahtod-Erfahrungen. Viele wären lieber im Leben jenseits des Todes geblieben, waren missmutig oder betrübt darüber, dass sie doch noch länger im Leben diesseits des Todes bleiben mussten. Ich stelle dir, lieber Leser, deshalb drei besonders beeindruckende Beispiele einer solchen Grenzerfahrung vor:


Gleichzeitig war eine Flut von Licht da, ich möchte nicht sagen, das kam von irgendwoher, ja, es war einfach Licht da, als ob es so floss durch den ganzen Raum. Und verbunden damit war ein Gefühl von Wirklichkeit, wie ich es zuvor noch nie erlebt habe, und es war auch das Gefühl, als würde ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich sehen, als ob all das, was ich davor für Sehen oder Wahrnehmen gehalten habe, diesen Namen gar nicht verdient. Das merkte ich in diesem Augenblick ... so... ja, ein wirkliches Gefühl von Wirklichkeit, und ich war Teil der Wirklichkeit. Und ...ich sah dann, und alles zur gleichen Zeit, mein gesamtes Leben. Es war alles da, es fehlte nichts, es war...jedes Detail war da und es war alles gleichzeitig. Und in dem Augenblick erkannte ich, es war alles in Ordnung gewesen, es hat alles gestimmt, und in diesem Fall, in diesem Augenblick setzte auch eine unbeschreibliche Freude ein, so über dieses schöne Leben. Und gleichzeitig war ein Gefühl von tiefer Traurigkeit und Bedauern über die vielen vergeblichen, gar nicht notwendigen Mühen, mit denen ich mich und andere Menschen gequält hatte, um Dinge in Ordnung zu bringen, in Unkenntnis, dass sie längst in Ordnung waren. Und in dem Augenblick war mir auch klar, dass Zeit ein Begriff ist, der vielleicht innerhalb eines ganz kleinen Bezugsrahmens eine Gültigkeit hat. Aber darüber hinaus gibt es diese Gültigkeit nicht. Ich glaube, wir haben die Wahl, uns innerhalb der Zeit oder außerhalb der Zeit, das heißt in der Gegenwart, uns aufzuhalten. So dieses Gefühl von Zeitlosigkeit oder von Augenblicklichkeit oder von Gegenwärtigkeit. (...) All das kam aus diesem Blick zurück auf das Leben, es war wirklich ein Blick zurück, denn das, was ich sah, war nicht vor mir, sondern es war hinter mir, diese Lebenslandschaft. Es war hinter mir und trotzdem sah ich es, als ob es vor mir wäre.

 

(Iris Paxino, Brücken zwischen Leben und Tod, S. 52)

 


 

"Eines der Erlebnisse, die am meisten zu meiner Transformation beigetragen haben, bestand darin, viereinhalb Minuten lang tot auf einem Operationstisch zu liegen. Ich weiß, viereinhalb Minuten machen mich nicht zur Expertin. Aber diese Erfahrung half mir, meinen Weg an manchen Stellen, wo er ungute Krümmungen machte, zu begradigen; und sie führte mich weit fort von meinem ursprünglichen Standort. In der Familie, aus der ich stamme, wurde “dieses Wort” (Tod) nie erwähnt.

Bevor ich 25 wurde, war ich nie auf einer Beerdigung gewesen. Man starb nicht; man ließ sich nur nirgendwo mehr sehen. Der Tod war der Gipfel des Versagertums.

Meine kleine Viereinhalb-Minuten-Erfahrung unterschied sich so sehr da­von. Es fällt mir immer noch schwer, sie in Wort zu fassen - ich habe die Form nicht gefunden, in die ich die Intensität der Verzückung zu fassen vermöchte, die ich erlebt habe. Ich habe versucht, die sich ständig verändernden Lichtmu­ster zu beschreiben, die mich umtanzten, aber meine Zunge stolpert am Ende über Wolken. Es war, als sei meine Seele ergriffen und über das ganze Universum verteilt, oder vielmehr, als seien das Universum und meine Seele so miteinander verwoben, daß es unmöglich war, zu sagen, wo das eine begann und die andere endete. Ich wurde zu einem Zyklon intensiver Wachheit. In dem größten Schulraum, den man sich vorstellen kann, lernte ich eine Geometrie des Lebens, in der alles einen Sinn ergab. Eine unendliche Zahl von getrennten, unzusammenhängenden Fasern verspann sich zu einem einzigen dicken Faden.

Ich schaute aus einer Höhe von tausend Meilen herab und sah meinen armen in grünes Tuch gehüllten Körper auf dem metallenen Operationstisch liegen; der Arzt spritzte Adrenalin, die Schwester huschte wie verrückt über den Linoleumboden. Zur gleichen Zeit erhob sich eine Stimme um mich herum und in mir, die fragte: “Hast du genug Freude erlebt?” In diesem Moment wurde mir klar, dass ich von all den Millionen Augenblicken meines Lebens nur sehr wenige wirklich erlebt hatte. Die meisten von ihnen hatte ich verpasst, indem ich wie verrückt in Richtung Zukunft raste und vor der Vergangenheit davonlief. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Schock, so, als wäre ich ein Vogel, der gegen eine große Glastür fliegt.

Es folgte eine zweite Frage: “Was hast du noch nicht gesehen?” Dann hörte ich eine Art Rascheln, ein sanftes Brausen um mich herum, ein Ziehen, Zerren, Abwärtsschweben, das mich in den Operationssaal zurückbrachte, zurück in meinen Körper.

Solch ein kurzer, intimer und letztlich zeitloser Moment, doch nichts war seither wie zuvor. Ich erlebte eine gefühlsmäßige und spirituelle Verschiebung zu einer Art des Denkens, bei der es nicht mehr so wichtig für mich war, “etwas zu werden” - reich zu werden, geliebt zu werden, vorwärtszukommen, anerkannt zu werden. Durch das dauernde “Werden” verpasste ich zu viel.

Diese viereinhalb Minuten formten mich, so, wie ein Fluss die Wände eines Canyons formt. Der innere Kompass hat sich statt am Werden und Bekommen am Geben ausgerichtet - einem Geben, bei dem ich mich nicht weggebe. Zu lernen, so viel Freude wie möglich zu empfinden, ist zu meinem magnetischen Nordpol geworden; darauf zu bestehen, ein Leben zu erschaffen, das so lebendig und von Freude erfüllt ist, dass ich es nicht verlassen möchte."

(Dawna Markova, Die Versöhnung mit dem inneren Feind, S.16)




Plötzlich trat etwas Unglaubliches ein. Das Licht am Ende des Bettes begann, immer heller zu werden. Zuerst dachte ich, dass es das kleine Nachtlicht war, bis mir klar wurde, dass es von einer Stelle neben dem weißen Nachttisch am Kopfende des Bettes ausging. Es nahm an Intensität zu, bis es so hell wie eine Million Schweißbrenner schien.

Ich wusste, würde ich meine menschlichen Augen statt derjenigen meines geistigen Körpers benutzen, ich wäre auf der Stelle erblindet.

Dann passierten drei Dinge gleichzeitig: Etwas tief im Innern meines geistigen Wesens sagte: "Steh auf! Du bist in Gegenwart des Sohnes Gottes!"

Schlagartig wurde ich vom Bett hoch auf meine Beine gerissen. Aus dem gleißenden Licht am Kopfende des Bettes trat das herrlichste Wesen, das ich jemals zuvor gesehen hatte.

Die Krankenhsauswände verschwanden und an deren Stelle trat ein lebendiges Panorama meines gesamten Lebens, in dem ich alles, was ich in meinem Leben getan hatte, im Detail sah, angefangen bei meiner eigenen Kaiserschnittgeburt bis zu meinem gegenwärtigen Tod.

Ich war in der Gegenwart desjenigen, der sagt: " Ich bin das Alpha und das Omega, der ist und immer war, der kommen wird, der unumschränkte Herr aller." .....

Ich stand vor diesem majestätischen Wesen, welches zu mir sprach: "Steh auf, du bist in Gegenwart des Sohnes Gottes!" Ich hatte niemals zuvor ein solches Wesen erblickt. Es war kraftvoll gebaut, sogar in seinem geistig verklärten Körper, welcher ein gleißend weißes Licht ausstrahlte. Ich dachte : "Es wäre kein Wunder, wenn Er durch eine aufgebrachte Menschenmenge ginge und Ihn keiner angreifen würde, im Falle, dass sein physischer Leib ähnlich Seinem geistigen Leib wäre." In der Tat sah er nicht so aus wie auf den Bildern der bemalten Glasfenster in den Kirchen, die ich von ihm gesehen hatte. Dies hier war kein sanfter Jesus, demütig, schwach und milde. Hier stand ein kräftiger Mann, der reine Kraft verstömte. Aufgrund des hellen Lichtes, das von diesem Wesen ausging, war es schwierig, die Farbe seiner Haare oder Augen auszumachen, aber ich fühlte mehr als dass ich sah, dass es blaue Augen, mit kastanienbraunem, in der Mitte gescheiteltem Haar hatte. Es war etwas größer als ich, was heißen würde, dass es größer als 1,85 m war. Obwohl es in ein herrliches weißes Gewand gekleidet war, schien seine kräftige, muskulöse Gestalt hindurch zu scheinen. Es war alterslos, und doch schien es etwa 35 Jahre alt zu sein.

Die oben angeführten Beschreibungen reichen nicht aus, um das Herausragendste an Ihm zu beschreiben. Hier stand ein Wesen vor mir, dass alles, was ich jemals in meinem Leben getan hatte, wusste, denn mein Lebenspanorama umgab uns, und trotzdem nahm es mich voll an und liebte mich. Noch niemals zuvor fühlte ich eine solche Liebe oder Leidenschaft. Bevor Er im Zimmer erschien, war ich hoffnungslos alleine und furchtsam und nur in Gedanken damit beschäftigt, wie ich in meinen Körper zurückkehren könnte, um mein irdisches Leben weiter zu führen. Nachdem ich mich in seiner Gegenwart befand und seine Liebe fühlte, wollte ich Ihn unter keinen Umständen jemals wieder verlassen. Nichts, was ich besaß, noch irgend jemand, den ich auf Erden kannte, wäre in der Lage gewesen, mich dazu zu bringen, jemand zu verlassen, der mich so wie er liebte und annahm.

Wenn er sprach, so hörte ich seine Worte in einer unvergleichlichen Weise wie von niemandem sonst. Ich hörte iIhn aus meinen eigenen Geisttiefen sprechen. Mein Geist, nicht mein Gehirn, denn mein menschliches Gehirn, soweit ich es verstand, war in meinem Kopf und dem Körper auf dem Bett, der noch genauso tot aussah wie zu dem Zeitpunkt, als ich zuerst ins Zimmer zurückkam. Der erste Gedanke, den Er in meinen Verstand übermittelte, war: "Was hast du aus deinem Leben gemacht?"

Diese Frage stellte er auf eine sokratische Weise. Sicher fragte er nicht, um irgendwelche Informationen zu erhalten, denn wir konnten beide mein vollständiges Leben auf Erden übersehen. Es schien mir eher, als wollte Er, dass ich mir mein Leben genau betrachtete und überdachte. Nicht so, wie ich die Begleitumstände gesehen oder mir gedacht hatte, sondern so, wie sie tatsächlich waren......
Ixh hoffte, seine Aufmerksamkeit auf die außergewöhnlichen Dinge in meinem Leben lenken zu können, so dass er die Zeiten, in denen ich Dinge getan hatte, von denen ich nicht wollte, dass er sie sah, wie z. B. wen ich meine Beherrschung verloren hatte oder andere für meine Fehler vrantwortlich machte, nicht bemerken sollte.

Als Antwort auf Seine Frage, dachte ich: "Ich war ein Eagle Scout."

Plötzlich machte ich eine schockierende Entdeckung. Er war sich sofort darüber im Klaren, was ich dachte. Es war unmöglich, das Eine zu sagen, während man das Andere dachte, wie es die meisten von uns auf dieser Ebene unserer Existenz tun. Diese Entdeckung machte mir bewusst, dass Heuchelei unmöglich war.

"Das ehrte dich. Was hast du aus deinem Leben gemacht?" fragte Er zum zweiten Mal.

"Ich war Präsident unserer College Vereinigung", antwortete ich im Geiste.

"Was hast du aus deinem Leben gemacht, was du Mir zeigen könntest?"

Er war viel zu liebenswürdig, als dass Er meine Aufmerksamkeit darauf gelenkt hätte, dass ich erst zum Präsidenten gewählt worden war, nachdem viele meiner Mitbrüder schon zum Armeedienst gerufen worden waren. Ich wusste, was Er mit seiner Frsage meinte. Die Frage, die Er in Wirklichkeit mir entgegenschmetterte, war: "Was hast du aus deinem Leben gemacht, um mir die Liebe zu zeigen, die ich zu leben gelehrt habe?"

Ich wich erneut aus. Hätte er irgendetwas Verurteilendes in seinem Wesen gehabt, so wäre ich mit Angst erfüllt gewesen. So wioe es war, wusste ich, dass ich nicht nur versagte, wenn ich die Frage wahrheitsgemäß beantworten würde, sondern meine echte Verwirrung kam daher, dass, da ich diese Art Liebe vorher niemals gekannt hatte, ich sie auch nicht hätte weiter geben können.

"ich bin zu jung zum Sterben", dachte ich.

"Niemand ist zu jung zum Sterben, denn der physische Tod ist nur ein körperlicher und eine vorübergehende Pforte, um zu einem anderen Gebiet zu gelangen, durch die du gerade hindurch gegangen bist."

Er brachte das Ganze zu einem Ende, indem Er das Panorama meines Lebens schloss.

(George G. Richie, Mein Leben nach dem Sterben)

 



Wenn du dich näher mit Nahtod-Erfahrungen befassen willst: einen guten Überblick gibt das Buch "Berichte aus dem Jenseits"  von Hubert Knoblauch.
 










 

Botschafter Frankreichs in England


„ Nein, Hartmut hatte keine Angst vor dem Tod.

Hartmut stand dem Tod gleichgültig gegenüber. Weder suchte er ihn noch bemühte er sich, ihn zu vermeiden.
Er hatte ja mal geschrieben:

 

Ich glaube an ein Leben nach dem Tod.

Ich glaube an ein Leben vor dem Tod.
 

Und er hätte hinzufügen können:
 

Beides gibt es.

Beides lohnt sich.



 

Er fühlte sich wie ein Diplomat, der als Botschafter Frankreichs nach England geschickt worden war. Manchmal überwog die Neugier, dann fand er das neue, fremde Land interessant und spannend. Es gab da vieles, was es in Frankreich einfach nicht gab. Manchmal fühlte er sich auch strafversetzt. Das andere Land war schön, aber es war  nicht die Heimat. Aber er machte eben seinen Job, erfüllte seine Mission. Und er wusste. Ich werde nicht für immer in England bleiben. Irgendwann werde ich zurückgerufen werden – nach Hause. Und ich werde dann nichts dagegen haben.

         Hartmut wunderte sich, dass er anscheinend mit dieser angstfreien Gelassenheit, mit diesem Gleichmut ziemlich alleine stand. Die meisten Menschen klammerten sich an das Leben. Sie sahen sich anscheinend nicht als französischer Botschafter in England, sondern als Engländer. Sie waren in England lebende Franzosen, die anscheinend schon so lange in England lebten, dass sie vergessen hatten, dass sie ursprünglich aus Frankreich stammten. Und wenn Frankreich sie zurückrief, sie nach Hause holen wollte, sträubten sie sich. Sie wehrten sich dagegen, ihre scheinbare Heimat verlassen zu müssen, die doch dar nicht ihre wirkliche Heimat war, in ein Land gehen zu müssen, das ihnen fremd geworden war oder das sie gar nicht mehr kannten.

         Menschen, die den Tod so sahen wie er, waren eine Ausnahme, eine Seltenheit. Eine berühmte Ausnahme war Sokrates gewesen, der vor seinem gerichtlich erzwungenen Tod, einem Justizmord, seinen Schülern sagte: „Und vergesst nicht, dem Askleipios einen Hahn zu opfern!“ Das war so üblich bei den „alten“ Griechen, wenn sie nach einer schweren Krankheit endlich wieder gesund geworden waren.

         Dass Hartmut keine Angst vor dem Tod hatte, lag daran, dass er schon seit vielen Jahren ohne jeden Zweifel davon überzeugt war, dass es nach dem Tod weiterging, und zwar besser und schöner.

         Der Tod war für ihn nur der Durchgang durch ein Tor, wie er es einmal in seinem Gedicht  „Im Stadttor“  beschrieben hatte.

Also Hartmut hatte keine Angst vor dem Tod, weil er sie für völlig unbegründet hielt. Aber er hatte durchaus Angst vor dem Sterben, die ja nicht ganz unbegründet war. Das Land hinter dem Tor war verlockend und vielversprechend. Doch das Durchgehen durch das Tor konnte sehr ungemütlich sein, dunkel, nass und kalt.

(Rudolfo Kithera, Hartmut und das Ich-Bin)







Der Augenblick des Gestorben-Seins
 

Die geistige Erfahrung, die der Mensch also macht in der geistigen Welt, indem er durch die Pforte des Todes schreitet, ist: daß abfällt von ihm der physische Leib. Das ist ein bedeutsames, ein ungeheuer bedeutsames Erleben! Und zunächst ist von diesem Erlebnis zu sa-gen, daß es sich ganz gegenteilig verhält in bezug auf den Beginn des geistigen Lebens nach dem Tode, wie sich die Geburt des Menschen verhält zu unserem physischen Leben zwischen Geburt und Tod. Kein Mensch kann ja mit physischer Erkenntnis kraft der Erde hin-schauen auf seine Geburt. Die Geburt erlebt der Mensch nicht mit seinen physischen Erkenntniskräften hier auf der Erde. Ebenso wie wir die physische Geburt nicht erleben, wie der Mensch keine Erin-nerung hat - diese beginnt erst später - an die Vorgänge seiner Geburt und wie das richtig ist für das Erdenleben und so sein muß, so ist es gegenteilig für das Leben zwischen dem Tod und einerneuen Geburt. Denn der Moment, der Augenblick des, ich kann nicht sagen Sterbens, aber des Gestorbenseins, der bleibt als etwas, worauf immer wieder und wiederum hinschauen kann der Mensch in dem ganzen Verlauf des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt. Ebenso wie wir uns im physischen Leben niemals erinnern an die Vorgänge unserer Geburt, ebenso klar haben wir vor uns unsere ganze Lebenszeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hin-durch den Moment des Todes, aber von der anderen Seite, von der Seite des geistigen Erlebens, gewissermaßen vom anderen Ufer aus. Für den Erdenmenschen kann mit einer gewissen Berechtigung der Tod etwas Schreckhaftes haben. Er stellt den Verfall des physischen Erdenmenschen dar. Das gerade Gegenteil ist der Fall, wenn der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zurückblickt auf das Gestorbensein: Dann stellt ihm das immerwährend dar den Sieg des Geistes über das Leibliche, dann stellt der Tod das Schön-ste, das Größte, das Herrlichste, das Erhabenste dar, das im Grunde genommen überhaupt erlebt werden kann. Und indem der Mensch seine ganze geistige Lebenszeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hindurch auf das Gestorbensein hinzusehen vermag, ist die-ser Hinblick auf das Gestorbensein dasjenige, was uns das Bewußt-sein gibt nach dem Tode, so daß wir wissen: Wir haben unseren physischen Leib abgelegt. Und daß wir das erfahren, daß wir das immer vor uns haben, das gibt uns unser Selbstbewußtsein nach dem Tode ebenso, wie wir unser Selbstbewußtsein hier in der physischen Welt dadurch erlangen, daß wir unseren physischen Leib haben.

 

(Rudolf Steiner, Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten, S.41f)








"Warum bist du jetzt gestorben?"
 

Ein junger Mann, früherer Schulfreund, der im Alter von siebenunddreißig Jahren in den Bergen bei einem Kletterunfall tödlich verunglückte. Er hinterließ seine junge Ehefrau, seinen kleinen dreijährigen Sohn und seine alleinstehende Mutter, zu der er eine sehr innige Bindung gehabt hatte. Sein Tod war für alle unbegreiflich und traf seine Familie und sein Umfeld mit einer ungeheuren Wucht. Er hatte eine sehr sanfte und ausgleichende Wesensnatur gehabt und wurde von allen Menschen geschätzt und geliebt. So waren nun auf seiner Beerdigung, neben der Familie, seine früheren Schul- und Studienkameraden, seine Geschäfts- und Orchesterkollegen, Hunderte von jungen Menschen, die es nicht fassen konnten, dass ausgerechnet er mitten aus dem Leben herausgerissen worden war. Der Schmerz in der Friedhofskapelle war über den gesamten Raum ausgebreitet, man merkte allen Anwesenden den Schock dieses so unerwarteten Verlustes an. Und über allem schwebte die Frage nach dem Warum: Warum gerade er? Und warum jetzt, mitten im Leben stehend, beruflich erfolgreich, privat inmitten eines schönen, großen sozialen Umfeldes, mit einem kleinen Kind, welches nun ohne den Vater aufwachsen musste?

 Die Trauerzeremonie begann, ich versuchte mich eher auf das geistige Geschehen einzustimmen, und mit der Zeit konnte ich den jungen Verstorbenen immer deutlicher wahrnehmen. Er schwebte über die Menschenmenge, war über den gesamten Raum ausgebreitet und strahlte einen tiefen Frieden aus. Er selbst schien sehr gelöst und unbeschwert zu sein. Das äußere Geschehen interessierte ihn nicht besonders, er versuchte nur den Schmerz der Anwesenden durch seine Liebe zu lindern. Ich begrüßte ihn innerlich und sprach ihn an:

 

„Du Lieber, warum bist du gestorben? Warum gerade jetzt?“

Er antwortete sehr heiter:

„Das war genug für mich. Ich wollte in diesem Leben nicht mehr erreichen. Ich hatte mir für dieses Mal nicht mehr vorgenommen, es war alles da, was ich mir vor meiner Geburt vorgenommen hatte. Es ist doch ein erfülltes, volles Leben gewesen! Das, was noch weiter gekommen wäre, wäre jetzt nicht mehr von Bedeutung gewesen.“

„Aber dein Sohn, er ist noch so klein, er wächst jetzt ohne dich auf.“

„Nein, ich bin auch weiter bei ihm. Nur in einer anderen Form. Ich werde ihn immer begleiten. Und... es war zwischen uns beiden so ausgemacht: Bevor er auf die Erde kam, wusste er es schon, dass wir uns hier nur kurz begegnen werden. Das hatten wir beide schon viel früher ausgemacht. Und er war damit einverstanden. Für das, was er dieses Mal in seinem Leben braucht, reicht das. – Ich bin nicht weg. Ich werde immer nach ihm schauen.“

„Für deine Mutter, für deine Frau ist der Verlust doch auch sehr groß.“

„Ihr Weg geht weiter, es hat für beide seinen Sinn. Jetzt ist der Schmerz, der das so erscheinen lässt, aber wenn man das Ganze betrachtet, ist es richtig. Für mich ist es stimmig so.“

„Und warum bist du gerade auf diese Weise gestorben? In den Bergen? Durch einen Absturz?“

„Es war eigentlich ein sehr schöner Tod. Als ich abstürzte, war ich schon frei und flog, ich war schon befreit. Ich habe nichts gespürt, nur dass ich fliege und schwebe. Ich schwebe über die Welt, es war sehr schön. Und der Berg... ja, für den Berg hat es auch eine Bedeutung. Es sind Lebenskräfte von mir dort geblieben, die ihm zukommen.“

„Und jetzt? Wie geht es weiter? Brauchst du etwas von uns? Kann ich etwas für dich tun?“

„Nein, mir geht es gut, ich bin so frei und kann hier weitergehen. Das nächste Mal komme ich mit mehr Kraft, ich nehme aus diesem Leben freie Kräfte mit fürs nächste Mal.“

(Iris Paxino, Brücken zwischen Leben und Tod, S. 64)






 

Die Toten

 

Die Toten starben nicht. Es starb ihr Kleid.

Ihr Leib zerfiel, es lebt ihr Geist und Wille.

Vereinigt sind sie dir zu jeder Zeit

in deiner Seele tiefer Tempelstille.

 

In dir und ihnen ruht ein einiges Reich,

wo Tod und Leben Wechselworte tauschen.

In ihm kannst du, dem eignen Denken gleich,

den stillen Stimmen deiner Toten lauschen.

 

Und reden kannst du, wie du einst getan,

zu deinen Toten lautlos deine Worte.

Unwandelbar ist unsres Geistes Bahn

und ewig offen steht des Todes Pforte.

 

Schlagt Brücken in euch zu der Toten Land,

die Toten baun mit euch am Bau der Erde.

Geht wissend mit den Toten Hand in Hand,

auf daß die ganze Welt vergeistigt werde.








Worte des Erhabenen
 

Der Erhabene sprach:

Du klagst um solche, die nicht zu beklagen sind,

und willst doch wahre Worte sprechen.

Weise beklagen weder Lebende noch Tote.

 

So wie der, der im Körper wohnt,

durch Kindheit, Jugend Alter geht,

geht er auch ein in einen anderen Körper.

Den Weisen, den verwirrt das nicht.

 

Wie jemand ablegt abgetragene  Kleider

und andere, neue Kleider anzieht,

so legt der, der im Körper wohnt

die abgetragenen Körper ab

und geht in andere, neue ein.

 

All diese Körper sind vergänglich.

Man sagt jedoch, dass ewig seiend,

gar nicht zerstörbar, nicht erfassbar

der ist, der im Körper wohnt.

 

Er wird niemals geboren, stirbt auch zu keiner Zeit.

Ins Sein gelangt, hört er nicht auf, zu sein.

Ohne Geburt, für immer dauernd,

uralt und ewig ist er.

Nicht wird er getötet,

wenn getötet wird der Körper.

 

Doch sogar wenn du denkst,

dass er geboren werde immer wieder,

dass er andauernd stirbt,

dann solltest du. Großarmiger, nicht klagen.

 

Denn dem Geborenen ist ja der Tod gewiss,

Geburt ist ja gewiss dem Toten.

Über das Unvermeidliche solltest du daher nicht klagen.

 

Geschöpfe sind nicht offenbar am Anfang,

sind in der Mitte offenbar,

nicht offenbar wieder am Ende.

Was gibt es, o Bharata, da zu trauern

 

(Bhagavad-Gita II, 11, 13, 22, 18, 20, 26, 27, 28)




 

Nenne den Tod nicht Tod


Nenne den Tod nicht Tod, finde ein anderes Wort!

Der Name Tod, der weckt nur falsche Bilder.

Er führt den Geist an einen falschen Ort.

Willst du zur Wahrheit, brauchst du richtige Schilder.

 

Denn wenn ich sterbe, tausch ich nur die Kleider,

lege die alten ab und zieh mir neue an.

Mein Geist hüllt sich ja nur in andere Leiber,

damit er wieder kraftvoll wirken kann.

 

Denn wenn ich sterbe, wander’ ich nur weiter,

verlass die Stadt, in der ich  Gast war, durch das Tor,

in Aufbruchstimmung, gut gelaunt und heiter,

schaue nach vorn’, hab’ ja noch so viel vor.
 

Denn wenn ich sterbe, wandle ich mich nur,

bin nicht mehr Raupe, bin nun Schmetterling,

kriech’ nicht mehr schwer und müde auf der Erde,

kein alter Kämpfer mehr im Boxerring.

 

Ich flattere nun frei und leicht im Licht.

Kein Berg, kein Fluss behindert meinen Flug.

Was auf dem Boden kreucht und fleucht, das stört mich nicht.

Ich leb’ im Licht, und das ist doch genug.

 

Nenne den Tod nicht Tod!

Nenne ihn Kleiderwechsel, Weiterwandern, Wandlung!



 

 

 





Ewigkeit

 

Immer wieder und wieder steigst du hernieder

In der Erde wechselnden Schoß,

bis du gelernt, im Licht zu lesen,

dass Leben und Sterben eins gewesen

und alle Zeiten zeitenlos;

bis sich die mühsame Kette der Dinge

zum immer ruhenden Ringe

in dir sich reiht.

In deinem Willen ist Weltenwille.

Stille ist in dir,

Stille - und Ewigkeit.


(Manfred Kyber. Genius Astri).

 

 

 

 

 

Publiziert am: Dienstag, 07. Mai 2019 (277 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera

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