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Was nie da war

Salz da suchen, wo es ist

Manche Menschen leben in dem, leben für das, was nie da war, weil sie glauben, nicht damit leben zu können, dass es nie da war, nicht damit sterben zu können, dass es nie da war. Sie bemühen sich daher krampfhaft darum - natürlich meistens vergeblich -, dass es doch noch kommt. Es gibt Töchter, die ihr Leben lang sich ein Bein ausreißen, um doch noch von der zwar nicht lieblosen, aber doch recht liebesarmen Mutter, für die es immer nur die jüngere Schwester gab, etwas Liebe zu bekommen, und es gibt Söhne, die bis zu dessen Tod der Anerkennung durch den Vater hinterherrennen, der sie immer nur als Versager beschimpft hat.

Sie verhalten sich wie jemand, der Salz sucht. Er steht am Meer, und es wäre ganz einfach, das ersehnte Salz zu bekommen. Er müsste nur ein paar Steine nehmen, damit ein kleines Stück vom Meer abtrennen. Dann müsste er nur noch warten, müsste gar nichts mehr tun, bis die Sonne das abgetrennte Stück ausgetrocknet hat. Dann hätte er Salz in Hülle und Fülle. Statt dessen hat er es sich in den Kopf gesetzt, dass doch auch unter den Dünen, die den Strand begrenzen, Salz zu finden sein muss, steigt auf eine Düne - ausgerechnet auch noch die höchste - und gräbt mit viel Schweiß einen senkrechten Schacht in die Düne, um irgendwann mal das Grundwasser zu erreichen. Er findet schließlich dort auch Wasser, jedoch nur, um festzustellen, dass es Süßwasser ist, das gar kein Salz enthält. Und anstatt aus dieser Erfahrung die einzig sinnvolle Konsequenz zu ziehen, dass er sich wohl auf dem Holzweg befindet, weigert er sich, aufzugeben, und gräbt zwei Meter daneben den nächsten Schacht in die Düne, natürlich mit demselben Ergebnis, so lange, bis die Düne fast nur noch aus Schächten besteht und es kaum noch Platz gibt, um noch einen Schacht mehr zu graben.

Er könnte doch sein Salz so einfach haben. Er müsste nur nicht länger an dem festhalten, was sinnlos ist, müsste das loslassen, was nicht möglich ist. Er müsste nur das aufgeben, was ihm nur Leiden schafft. Er könnte doch so einfach Salz da finden, wo es auch zu finden ist.

Die Frau, die der Liebe der Mutter nachrennt, hat vielleicht einen liebevollen Mann, der sie liebenswert und liebenswürdig findet, Kinder, die sie innig lieben, und ist beliebt in einem großen Freundeskreis. Der Mann, dem nur die Anerkennung durch den Vater wichtig ist, hat vielleicht eine Frau, der durchaus bewusst ist, was sie an ihm hat, genug Kollegen, die viel von ihm halten, und Kinder, die in ihm ein Vorbild sehen. Es wäre für beide so leicht, zu finden, was sie suchen. Sie müssten es nur suchen, wo es ist.



 

Wenn du verbittert dich beklagst darüber,

dass deine Mutter keine „gute“ Mutter war,

dass du nie eine „richtige“ Mutter hattest,

dann ändere doch den Ort, von dem du schaust!

Dann sieh, dass du ja selber eine Mutter bist,

du ja auch selber eine „gute“ Mutter sein kannst.

Dem großen Lebensganzen ist alleine wichtig,

dass Mutter-Sein von jemandem gelebt wird;

ob nun von deiner Mutter oder von dir selbst,

das ist ihm gleich, das ist ihm gleich viel wert.

Und auch für dich ist es nur wichtig, zu erleben,

dass eine Mutter wirklich da ist für ein Kind.

Bedeutsam ist es, dass im Welttheater,

das Stück gespielt wird, dessen Titel heißt:

„Ein Kind, das glücklich ist mit seiner Mutter,

und eine Mutter, glücklich mit dem Kind.“

Und dabei ist natürlich für dich wichtig,

dass du auch selber mitspielst auf der Bühne,

nicht nur als Zuschauer das Stück erlebst.

Doch kommt es nicht drauf an, in welcher Rolle,

ob du dabei als Mutter glücklich bist oder als Kind.

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 

Publiziert am: Samstag, 03. Dezember 2016 (136 mal gelesen)
Copyright © by Rudolfo Kithera

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